Diabetes ist eine globale Epidemie
04. Dezember 2011
Karlsburger Ärzte mit Gästen aus Smolensk auf der XI. Jahrestagung "Der herzkranke Diabetiker" in Berlin
Rund 368 Millionen Menschen auf der Welt leiden unter Diabetes mellitus, volkstümlich Zuckerkrankheit genannt. Wissenschaftler rechnen damit, dass es 2020 schon 550 Millionen Diabetiker sein werden. "Diabetes ist eine globale Epidemie und Deutschland gehört bei der Verbreitung in der Bevölkerung zu den Top-Ten-Ländern der Welt", sagt Prof. Dr. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor des Herz- und Diabeteszentrums Karlsburg (Ostvorpommern). Das Risiko, als Diabetiker an einer Herz- oder Gefäßerkrankung zu sterben, sei sehr hoch. Weil viele Diabetiker von ihrer Erkrankung nichts wüssten bzw. ihr Stoffwechsel schlecht eingestellt sei.
Prof. Motz gehört zu den Organisatoren der Stiftung "Der herzkranke Diabetiker", die am Wochenende rund 200 Mediziner aus ganz Deutschland nach Berlin zur XI. Jahrestagung lud. Ziel der jährlichen Veranstaltung ist es, über die Zusammenhänge zwischen Diabetes und Herzerkrankungen aufzuklären und aktuelle wissenschaftliche Studien vorzustellen.
In diesem Jahr wurden unter anderem Daten präsentiert, die einen Vergleich bei der Behandlung von Diabetespatienten nach Ländern und Erdteilen zulassen. Danach waren die Ereignisse Tod, Schlaganfall und Herzinfarkt bei Diabetespatienten in Osteuropa und Asien höher als bei Diabetespatienten in Westeuropa und Nordamerika, obwohl die Medikamente und Therapien nahezu identisch sind. Die genauen Ursachen dafür sind noch nicht erforscht.
Festgestellt wurde auch: Diabetespatienten, bei denen bereits eine Herzerkrankung festgestellt wurde, werden überall grundsätzlich besser behandelt als Patienten, bei denen nur die Stoffwechselerkrankung therapiert wird. Mit der Zunahme der betroffenen Gefäßsysteme bei den Patienten steigt die Ereignisrate dramatisch. Weltweit stirbt an Diabetes alle 8 Sekunden ein Mensch, das sind 4 Millionen Menschen pro Jahr.
Zur Berliner Tagung hatten die Karlsburger Ärzte auch Gäste aus Smolensk mitgebracht. Die drei erfahrenen russischen Kardiologen Anna Goryacheva, Juri Jäger und Alexander Lyz hospitieren derzeit im Herzklinikum, um sich mit deutschen Kollegen über die Behandlung von Bluthochdruck und koronaren Erkrankungen auszutauschen und sich über minimal-invasive Operationen zu informieren. In der 400.000-Einwohner-Stadt Smolensk ist geplant, ein modernes Herz-und Diabeteszentrum nach dem Vorbild Karlsburgs zu errichten.
